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Karriere ohne Uni-Stempel – Pilotprojekt für Studienabbrecher aus der Region

08.07.2016 Nach der Einschreibung kommt für viele Studenten die Enttäuschung. Nie war die Zahl derer, die nach der Schule an die Hochschule wechseln, so hoch – gleichzeitig müssen viele nach einigen Semestern erkennen, dass das Studium nicht der Weg zu ihrem Traumberuf ist. Schätzungen sprechen davon, dass in Bayern etwa ein Drittel der Studenten ihr Studium abbrechen.

Bildunterschrift: Freuen sich über den gelungenen Projektstart: die Regionalmanager Prof. Dr. Markus Lemberger (Landkreis Cham), Rita Kienberger (Straubing-Bogen), Stephan Lang (ARBERLAND REGio GmbH) und Tanja Seubert (Stadt Straubing) (von links nach rechts).
Die Regionalmanager der beteiligten Landkreise

Doch was tun, wenn sich die akademische Karriere als der falsche Weg erwiesen hat? Das Projekt „Beste Chancen“ der Landkreise Straubing-Bogen, Cham, der Stadt Straubing sowie der ARBERLAND REGio GmbH, der Kreisentwicklungsgesellschaft des Landkreises Regen, unterstützt gemeinsam mit über 100 Partnerunternehmen Studienabbrecher beim Karriereneustart. Mit an Bord sind als Kooperationspartner außerdem die TH Deggendorf, die Hochschule Landshut, die Universität Passau, die OTH Regensburg und das Wissenschaftszentrum Straubing. Am 25. Juli präsentiert sich das Projekt im Hotel Wenisch in Straubing der Öffentlichkeit.

Es gehe darum, Studienabbrechern ihre Karrierechancen aufzuzeigen – und die sind vielfältig: Über 100 Unternehmen aus allen Branchen bieten im Rahmen des Projekts gut 60 verschiedene Berufsbilder und weitere Möglichkeiten des Berufseinstiegs an – von der Hotel- und Gastrobranche bis zu Handwerk und Industrie. In einem kostenlosen Coaching werden die Nachwuchs-Fachkräfte ohne Hochschulzeugnis auf den Start vorbereitet und mögliche Stolpersteine aus dem Weg geräumt.

Das Coaching-Angebot des Projekts richtet sich jedoch bewusst auch an die Partner aus der Wirtschaft. „Es ist wichtig, dass die Unternehmer und Personalchefs das Potenzial der Studienabbrecher erkennen und ihnen attraktive Angebote machen. Selbstverständlich bringt man mit Mitte 20 und einem begonnenen Studium eine andere Lebenserfahrung, ein anderes Fachwissen und damit andere Vorstellungen mit, als ein klassischer Azubi“, so Rita Kienberger, die Regionalmanagerin des Landkreises Straubing-Bogen. Die Studienabbrecher erwiesen sich für die Unternehmer im Gegenzug als wertvolle Nachwuchsfachkräfte „auf die immer mehr Betriebe nicht länger verzichten können und wollen.“

Die ersten Erfahrungswerte bestätigen das offenkundig: „Die Resonanz in der heimischen Wirtschaft ist immens. Wir bekommen laufend Anfragen von Unternehmen, die gerne noch mitmachen wollen“, so Stephan Lang von der ARBERLAND REGio GmbH, der Kreisentwicklungsgesellschaft des Landkreises Regen. „Den Studienabbrechern können wir dadurch ein vielfältiges Angebot von der Ausbildung über das duale Studium bis hin zum Direkteinstieg anbieten“, so der Regionalmanager.

Nicht von ungefähr kommt übrigens auch, dass am Projekt die Hochschulen wie beispielsweise das Straubinger Wissenschaftszentrum beteiligt sind. „Wir möchten bewusst keine Berufschance außen vor lassen“, so Tanja Seubert von der Stadt Straubing, „es gibt viele neue attraktive Studiengänge, vor allem auch solche mit mehr Praxisbezug – oft hilft schon ein Fachwechsel, damit es doch noch mit dem Abschluss klappt.“

Was den Erfolg angeht, zeigte sich Professor Dr. Markus Lemberger, Regionalmanager des Landkreises Cham, auf dem jüngsten Treffen der Projektpartner zuversichtlich „,Beste Chancen‘ ist bisher bayernweit einzigartig. Wir sind allerdings überzeugt, dass es zu einem Modell für den ländlichen Raum allgemein werden könnte“. Der Freistaat Bayern fördert „Beste Chancen“ über die neue Regionalmanagementförderung mit 30.000 Euro.

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