Ansicht des Landratsamtes mit Schriftzug und Treppe

35 Teilnehmer bei erster gemeinsamer Bioenergie-Tour

Endstation: Die ZAW-Biomüllvergärungsanlage in Aiterhofen: „Jetzt riecht’s erst richtig nach Bioenergie“ stellte ein Teilnehmer der ersten Energietour fest, die das Netzwerkmanagement der Bioenergieregion Straubing-Bogen zusammen mit den Kreiswerken Cham am Sonntag organisiert hatte. „Seit 2009 ist die Anlage in Betrieb“, erklärte der stellvertretende Betriebsleiter Andreas Lummer der 35-köpfigen Gruppe. In Aiterhofen, wo jährlich 13.000 bis 14.000 Tonnen Biomüll verarbeitet werden, könnten jährlich bis zu 20. 000 Tonnen „gefahren“ werden, wenn weitere Haushalte die Biotonne bekommen würden, sagte Lummer. Eingehend erläuterte er den interessierten Zuhörern den Ablauf von den Annahmeboxen für den Biomüll bis hin zur Entfernung der Störstoffe, die erst am Ende des Prozesses über einen Trichter herausgefiltert werden. In der Biogas- und Kompostanlage werden im Jahr bis zu zwei Millionen kWh Strom erzeugt, zudem entstehen bis zu 2,2 Millionen kWh Wärme, die zum Beheizen der Anlage bzw. des Betriebsgebäudes genutzt werden.
 
Zum Auftakt der Bioenergie-Reise hatten sich die Teilnehmer, wie schon rund 4.000 Besucher vorher, im Bioenergiedorf Schäferei bei Waldmünchen umgeschaut. Es brauche solche Leute, wie Josef Haller, die derart emphatisch ihr Wissen an Interessierte weitergeben, machte Matthias Wiedemann, vom Zukunftsbüro im Landkreis Cham deutlich. In der 145-Einwohner großen Schäferei, dem ersten Bioenergiedorf Bayerns, haben sich mehrere Landwirte zusammengeschlossen, um ein Nahwärmenetz aufzubauen, 2005 wurden hier zwei Biogasanlagen errichtet. Haller schilderte, wie man die anfänglichen Widerstände – schließlich war das nächste Wohnhaus nur 50 Meter entfernt - gegen die Biogasanlagen durch Gespräche, vor allem auch am Stammtisch, auflösen konnte. Das Credo der Anlagenbetreiber: Den Wärmepreis für die 14 Abnehmer immer niedrig halten, Spannend wurde es, als Haller von seinen Versuchen mit Hirse - als Alternative zu Mais – er hat vier verschiedene Sorten auf sieben Hektar angebaut – berichtete. Um den Humusaufbau zu fördern habe er als Zwischenfrucht Senfpflanzen angepflanzt, berichtete der Landwirt. 90 Prozent der Silage kommen aus einem Umkreis von fünf, die restlichen zehn Prozent aus acht Kilometern Entfernung.
 
Der Geschäftsführer Xaver Macht und der technische Betriebsleiter Wolfgang Wutz erwarteten die Bioenergie-Reisenden bei der Grüngas GmbH in Arnschwang. Die Besonderheit ihrer Anlage, die erst 2010/2011 gebaut wurde, und die mit viel Substrat aus 4500 Hektar Ländereien in der Tschechei bestückt wird; sie benötigt kein Rührwerk. Während in der Schäferei Strom und Wärme verkauft werden, wird in Arnschwang das Gas gereinigt und auf Erdgas-Niveau aufbereitet. 
 
Eine Vielzahl von Informationen konnten die Teilnehmer auch aus dem energieautarken Ascha mitnehmen. „Seit 1996 haben wir viele Visionen erledigt“, begrüßte die Projektleiterin für den Bereich Energie und Energy Scout Maria Kulzer die Besucher. Neben Initiativen wie Bürgersolaranlage, Solarroller oder Vorzeigeobjekten wie Solarstraßenlampen stand die Holzvergaseranlage im Mittelpunkt. Wie Kulzers Neffe Bastian Kulzer, erläuterte, ist sie für Pellets ausgelegt. Von den erforderlichen 110 Kilo Pellets pro Stunde bleiben zwei Kilo Asche übrig. Die Anlage mit BHKW, die 2011 in Betrieb gegangen ist, versorgt derzeit 82 Anwesen.   
 
Übereinstimmend hielten die Organisatoren fest, dass die Zwillingskooperation hervorragend geklappt hat. Ein nächstes gemeinsames Projekt ist bereits angedacht: Voraussichtlich im Februar 2013 findet ein Seminar für Biogasanlagenbetreiber zur Optimierung der Wärmenutzung statt.