Zukunftsbüro

Bildungsregion befasst sich mit Fachkräftemangel

28.11.2015 Welche Gründe hat der Fachkräftemangel und welche Lösungsansätze gibt es? Knapp 20 Vertreter aus Schulen, Fördereinrichtungen und Wirtschaft trafen sich jüngst am Landratsamt, um über Fakten, Gründe und Lösungsansätze zum Thema Fachkräftemangel zu diskutieren...

Pressemitteilung

Straubing, 28. November 2015

Bildungsregion befasst sich mit Fachkräftemangel - Landkreis und Stadt luden gemeinsam zur Projektgruppe

Welche Gründe hat der Fachkräftemangel und welche Lösungsansätze gibt es? Knapp 20 Vertreter aus Schulen, Fördereinrichtungen und Wirtschaft trafen sich jüngst am Landratsamt, um über Fakten, Gründe und Lösungsansätze zum Thema Fachkräftemangel zu diskutieren. Mit dabei waren auch die Vertreter der Agentur für Arbeit, der Industrie- und Handelskammer Passau, der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz und der Kreishandwerkerschaft. Zur Veranstaltung eingeladen hatten Rita Kienberger, Regionalmanagerin des Landkreises Straubing-Bogen, und Tanja Seubert, Vertreterin der Schulverwaltung der Stadt Straubing, die beide mit der Umsetzung des gemeinsamen Bildungskonzepts von Stadt und Landkreis befasst sind.

Schwierig sei, so war man sich in der Expertenrunde einig, die Ermittlung des konkreten Fachkräftebedarfs. Für die IHK-Berufe gebe es einen Fachkräftemonitor, so Katharina Simmelbauer von der IHK Passau. Renate Olonczik berichtete, dass man auch bei der Agentur für Arbeit über einschlägige Statistiken verfüge und diese auch im Internet bereitstelle. Bezogen speziell auf den Raum Straubing-Bogen seien Zahlen jedoch nicht verfügbar. Identifizierbar seien jedoch besonders vom Fachkräftemangel betroffene Berufe, darunter das Lebensmittelhandwerk, sämtliche Bauberufe, der Handel sowie z. B. der Beruf des bzw. der Steuerfachangestellten.

Die Gründe für den Mangel an geeigneten Bewerbern sind vielfältig. Neben dem vielzitierten demografischen Wandel tragen auch ein schlechtes Image von manchen Ausbildungsberufen und der ungebrochene Trend zur akademischen Laufbahn dazu bei, dass die Berufsschulklassen kaum noch besetzt werden können. Hinzu kommen eine hohe Abbrecherquote sowie vermehrt Störungen im sozialen Umfeld bzw. psychosoziale Probleme bei Jugendlichen, die dadurch dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt verloren gehen.

Kreishandwerksmeister Armin Stöckel betonte, dass man an vielen Faktoren des Fachkräftemangels nur schwer etwas ändern könne, da die Ressourcen zur Rekrutierung von Fachkräften eben begrenzt seien. Dies sei jedoch kein Freibrief zur Kapitulation. Die Kreishandwerkerschaft Donau-Wald betreibe seit Jahren bereits intensive Öffentlichkeitsarbeit und Imagepflege für den Handwerksberuf. Auch zahlreiche Firmen investieren zwischenzeitlich viel Zeit, um informative Praktika für Schüler anzubieten. Wichtig sei hierbei, dass die Praktikantinnen und Praktikanten einen realistischen Eindruck vom jeweiligen Beruf bekämen, damit sie eine fundierte Berufswahl treffen können.

Eine wichtige Rolle bei der richtigen Berufswahl spiele aber auch die Schule, wie vielen Gesprächsbeiträgen zu entnehmen war. Bereits beim Übertritt von der Grundschule an die weiterführenden Schulen stelle man häufig fest, dass bei den Informationen der Fokus überwiegend auf den besten Weg zum Studium gesetzt werde, während die Vorzüge einer dualen Berufsausbildung kaum gestreift würden. In den Berufsorientierungsstufen dann seien gute Beispiele gefragt, Erfahrungsberichte und die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zu machen.

An diesem Punkt möchte die Projektgruppe ansetzen. Gerade in den Schulen sei es möglich, ein niedrigschwelliges Angebot an umfassender Information zu bieten. Als erste Aktion wolle man deshalb für die Berufsorientierungsstufen der weiterführenden Schulen eine Infoveranstaltung zu Ausbildungsberufen anbieten. Dabei sollen nicht in erster Linie Firmen diese Berufsbilder vorstellen, vielmehr sollen aktuelle Auszubildende der Straubinger Berufsschulklassen über ihre Erfahrungen mit der dualen Ausbildung und über ihre Berufsperspektiven berichten.  

Oberstudiendirektor Werner Kiese als Leiter der Staatlichen Berufsschule II und seine Vertreterin Studiendirektorin Silvia Obermeier-Fenzl begrüßten diese Idee und sagten ihre Unterstützung und Mitarbeit zu, Oberstudiendirektor Rudolf Reinhardt vom Anton-Bruckner-Gymnasium stellte in Aussicht, eine Pilotaktion an seiner Schule zu unterstützen. Als ersten Schritt will man die weiteren Berufsschulen ins Boot holen, außerdem wird man mit dem Angebot zunächst auch an die weiteren Gymnasien der Region herantreten.  

Eine besondere Rolle bei der Berufswahl kommt nach Ansicht der Anwesenden den Lehrkräften zu, die als Vertrauenspersonen einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf Schüler wie Eltern ausüben. Deshalb möchte die Projektgruppe zudem gerne eine Lehrerfortbildung anbieten zum Thema Berufswahl.

Sobald die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen geklärt sind, will man sich erneut treffen, um die in Aussicht genommenen Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Offen blieb bislang, inwieweit und mit welchen Maßnahmen neben den Schulabgängern weitere Zielgruppen für den Arbeitsmarkt erschlossen werden könnten. Für den Bereich der Arbeitslosen berichtete Bastian Lange vom Job-Center Straubing über das Projekt „Quattro“, bei dem eine Vermittlungsquote von 70 – 80 % erreicht werde. Auch für Wiedereinsteiger und -einsteigerinnen gebe es bereits zahlreiche Informationen und Angebote. Inwieweit hier noch ergänzende Aktivitäten in der Region Straubing-Bogen nötig und möglich sind, soll ebenfalls Inhalt des nächsten Treffens sein.

Kategorien: Zukunftsbüro, Regionalentwicklungsverein