Zukunftsbüro

Peter Pans Küsse auf dem Prüfstand

22.03.2016 „Dinge, die Spaß machen, bleiben im Gedächtnis“, sagt Kreishandwerksmeister Armin Stöckel und lässt seinen Blick über eifrig werkelnde Sechstklässler schweifen. Die Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Bogen durften heuer an den erstmalig stattfindenden Nachwuchshandwerkertagen in Stadt und Landkreis Straubing-Bogen teilnehmen. Die Aktion wurde im Rahmen der Bildungsregion Straubing-Bogen umgesetzt und fand an insgesamt 16 Mittelschulen der Region statt. Koordiniert wurden die Veranstaltungen vom Regionalmanagement des Landkreises Straubing-Bogen in Zusammenarbeit mit der Schulverwaltung der Stadt Straubing....

Pressemitteilung

Straubing, den 23.03.2016

Peter Pans Küsse auf dem Prüfstand - Der erste Nachwuchshandwerkertag in der Region erntete Lob von allen Seiten

„Dinge, die Spaß machen, bleiben im Gedächtnis“, sagt Kreishandwerksmeister Armin Stöckel und lässt seinen Blick über eifrig werkelnde Sechstklässler schweifen. Die Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Bogen durften heuer an den erstmalig stattfindenden Nachwuchshandwerkertagen in Stadt und Landkreis Straubing-Bogen teilnehmen. Die Aktion wurde im Rahmen der Bildungsregion Straubing-Bogen umgesetzt und fand an insgesamt 16 Mittelschulen der Region statt. Koordiniert wurden die Veranstaltungen vom Regionalmanagement des Landkreises Straubing-Bogen in Zusammenarbeit mit der Schulverwaltung der Stadt Straubing.

In allen Schulen stellten jeweils vier Gruppen unterschiedliche Werkstücke her, immer unter den wachsamen Augen eines für die Aktion ehrenamtlich tätigen Handwerkermeisters. Laut und staubig war es bei der Schreiner-Gruppe: Die Kinder sägten, bohrten und schraubten mit Feuereifer und durften am Ende je ein selbstgebautes Tabletboard aus Holz mit nach Hause nehmen. Bei den Malern war es da schon etwas ruhiger, dafür umso bunter: Mit verschiedenen Techniken bemalte jeder Schüler seine individuelle Schatztruhe.

Die SHK (Sanitär, Heizung, Klima)-Gruppe lernte den Umgang mit einer großen Presse und bastelte aus Heizungsrohren einen praktischen Handyhalter. Die Elektriker schließlich mussten ihre Feinmotorik unter Beweis stellen und löteten Einzelteile zu einem Kusstester. Dieser war eine richtige Wundertüte: Die Kinder erfuhren erst nach der Fertigstellung, was sich hinter diesem geheimnisvollen Namen verbirgt und durften ihr Werkstück auf Funktion testen. Allerdings wurde natürlich nicht richtig geküsst. Vielmehr ließ sich mit zwei an den Bausatz angeschlossenen Fingerhüten am Ende überprüfen, ob der Kontakt geschlossen ist. Dann nämlich leuchtete ein Lämpchen und ein lautes Geräusch ertönt. Da fühlte manch einer sich an Peter Pan erinnert, für den ein Kuss gleichbedeutend war mit einem Fingerhut.

Überhaupt war die Definition eines Kusses absolut zweitrangig: Der Spaß am handwerklichen Arbeiten stand im Vordergrund. Und den hatten alle Beteiligten. Selbst Schulleiter Stefan Nagl hätte am liebsten gleich mitgebaut. Im Anschluss an die Aktion erhielten alle Schülerinnen und Schüler ein Teilnahmezertifikat, das sie mit großem Stolz entgegennahmen.

Insgesamt haben an der Aktion knapp 400 Kinder teilgenommen, 78 Handwerksmeister haben ihnen erste praktische Erfahrung vermittelt. Ziel der Nachwuchshandwerkertage war es, den Schülerinnen und Schülern einen Einblick in modernes Handwerk zu geben und ihnen zu zeigen, dass sie mit ihren Händen Einzigartiges bauen können.

Interviews und Statements (Bei den Schülerstimmen sind alle komplett aufgelistet, die Auswahl der einzelnen Stimmen würde ich der Redaktion überlassen, weil sie dann platztechnisch flexibler ist)

Stefan Nagl, Schulleiter Mittelschule Bogen: „Als Mittelschule sind wir die Schulart, die am besten auf den Beruf hinführt“, sagt er. „Wir sind uns dieser Verantwortung bewusst und bieten daher sehr gerne zahlreiche Unterstützung bei allen Möglichkeiten, praktische Erfahrungen zu sammeln. Die Nachwuchshandwerkertage sind eine tolle Sache, die wir auf jeden Fall beibehalten möchten. Und die fünften Klassen freuen sich schon auf nächstes Jahr.“

Armin Stöckel, Vorsitzender Kreishandwerksmeister: „Überall wo wir hinschauen, steht das Handwerk dahinter. Leider hat es noch immer einen schlechten Ruf bei der Berufswahl:  Die Eltern wollen nicht, dass ihr Kind ‚bloß‘ Handwerker wird. Dabei bietet gerade diese Schiene so viele Möglichkeiten. Wenn wir diese Entwicklung nicht aufhalten, werden die Menschen zukünftig nicht fragen müssen: ‚Was kostet es, ein Ventil zu wechseln?‘, sondern ‚Können Sie das überhaupt?‘ . Aktionen wie die Nachwuchshandwerkertage können da einiges bewirken und zeigen, welch gute Perspektive es in unserem Bereich gibt: Ich sehe keinen Handwerker, dem es schlecht geht.

SHK-Gruppe

Antonia Brock (11) Ich habe zu Hause schon mal beim Autolackieren geholfen. Und jetzt wollte ich ausprobieren, was man mit Metall alles machen kann. In so einem Beruf zu arbeiten, könnte ich mir gut vorstellen.

Martin Färber (11) Ich möchte auf jeden Fall einen Handwerksberuf lernen. Dann kann ich zu Hause auch mal selbst etwas reparieren. Vor kurzem wurde bei uns eine neue Heizung eingebaut, da habe ich auch schon ein bisschen helfen können.

Malergruppe

Marcel Karl (11) Erst habe ich gedacht, ich werde später Maler, aber ich glaube Koch liegt mir besser. Trotzdem ist es schön, so eine Truhe zu gestalten: Etwas Handgemachtes ist viel wertvoller als etwas Gekauftes, weil es ein Einzelstück ist.

Laura Schlinwein (12) Mein Opa ist Maler und deshalb kenne ich mich da ganz gut aus. Ich habe mit dem Opa mein Zimmer gestrichen, das hat großen Spaß gemacht. Ich mag es, kreativ zu sein und Neues auszuprobieren.

Schreinergruppe

Fabrizio die Matteo (11) Mit Holz haben wir schon in WTG gearbeitet. Das hat mir so gut gefallen, dass ich hier unbedingt zu den Schreinern wollte. Besonders das Bohren ist cool. Und man muss hier genau messen, damit am Schluss alles stimmt.

Simon Baumgartl (13) Mein Onkel ist Schreiner und von ihm habe ich eine Profi-Hose bekommen. Ich baue zu Hause recht viel selber mit Holz, vor kurzem erst ein Vogelhäuschen. Trotzdem habe ich hier noch Neues gelernt. Ich mache auf jeden Fall eine Schreinerausbildung.

Elektriker

Paulina Kania (12) Den Umgang mit dem Lötkolben kenne ich schon aus der Grundschule, da habe ich einen „Technik für Kids“-Kurs besucht. Trotzdem ist jeder Bausatz wieder neu. Und es macht schon stolz, selbst etwas gebaut zu haben.

Edwin Strele (12) Zufällig war gestern ein Elektriker bei uns zu Hause. Dem habe ich zugeschaut, wie er mit den Drähten im Sicherungskasten hantiert hat, das war schon spannend. Und hier bin ich überrascht: In WTG bin ich eigentlich eher schlecht, hier läuft es total gut!

Lisa Kunz (12) Elektrik ist voll spannend! Ich habe mir zwar mit dem Lötkolben die Haare verbrannt, aber das macht nichts. Für meine spätere Berufswahl hat es mich aber nicht ganz überzeugt, da werde ich mich auch mal in anderen Bereichen umschauen.

Landrat Josef Laumer

  1. Hätten Sie als Kind Freude an so einer Aktion gehabt?

    Wer beim Nachwuchshandwerkertag gesehen hatte, wie mir das Arbeiten, Basteln, und Fertigstellen dieser Stücke mit den begeistert arbeitenden Kindern gefallen hat, der wird mir glauben, dass ich dabei als Kind viel Freude gehabt hätte und auch hatte. Auch wenn es nicht alle glauben, so darf ich selber sagen, dass ich durchaus in handwerklichen und technischen Angelegenheiten nicht ganz schlecht arbeiten kann. Dieses Technische und Handwerkliche hat mir schon immer gefallen. Was zu bauen, zu entwickeln und dann ggf. noch zu sehen, wenn und wie es funktioniert, ist doch für jeden ein Erfolg. Hierbei kann man dann den Erfolg gleich sehen, wenn sich was dreht oder was rührt. Eigentlich bin ich schon ein Tüftler, der in technischen Angelegenheiten so lange probiert, bis etwas funktioniert. Freilich gelingt dies nicht immer. Dann braucht man halt den Fachmann.

  2. Warum ist es sinnvoll, Aktionen wie diese zu unterstützen?

    Handwerk und Technik sind Zukunftsbereiche. Wir sind ein Land der Techniker, Tüftler und das Handwerk braucht jeder Mensch, jeden Tag, sei es im Haus, beim Essen, beim Arbeiten, beim Autofahren. Ohne Handwerk und ohne unseren Mittelstand läuft nichts. Deswegen ist es wichtig, die Chancen des Handwerks zu erkennen, auch im beruflichen Bereich. Eine Ausbildung, die ein junger Mensch heute macht, nimmt ihm niemand mehr weg. Dieses Standbein hat er für sein ganzes Leben. Er wird damit Facharbeiter und kann etwas leisten. Das ist doch eine positive Bestätigung im Leben. Darauf kann man aufbauen.

  3. Wie sehen Sie den Stellenwert des Handwerks im Landkreis?

    Das Handwerk hat einen enormen Stellenwert bei uns, viele Menschen finden hier Arbeit und verdienen damit ihren Lebensunterhalt. Handwerk ist nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern die hier im Handwerk arbeitenden und in der Region lebenden Menschen verstärken unser gesellschaftliches Leben. Zudem werden gute Handwerker immer gefragter, weil sie jeder Mensch braucht. Ich denke, ein guter Handwerksberuf hat bei uns eine sichere Zukunft. Ein Handwerker ist ein gefragter Mensch und die Wertschätzung gegenüber den Berufen des Handwerks und gegenüber den Menschen, die diese wichtigen Berufe ausüben, wird immer größer. Sie sind Spezialisten und Fachleute, die wir alle beinahe täglich brauchen.

     

    Regionalmanagerin Rita Kienberger:

  1. Gibt es konkrete Zahlen, wie sich das Handwerk in den letzten Jahren im Landkreis entwickelt hat?

    Natürlich bemühe ich mich, von Seiten des Regionalmanagements Aktionen bedarfsorientiert durchzuführen und datenbasiert zu arbeiten. Ein lückenloses Zahlenwerk zum viel beklagten Nachwuchsmangel im Handwerk gibt es allerdings schon deshalb nicht, weil wohl gar nicht alle frei bleibenden Lehrstellen gemeldet werden. Dennoch lassen sich alarmierende Entwicklungen erkennen, z. B. die rückläufigen Schülerzahlen an der Staatlichen Berufsschule I in Straubing. Seit 2004 wurde dort ein Rückgang von knapp 2.000 Schülern auf etwas über 1.700 im Jahr 2015 verzeichnet. Besonders betroffen sind die Bäcker mit einem Rückgang von 50 auf 17 Schüler bzw. die Fleischer und Fleischereiverkäufer, für die in den Straubinger Berufsschulen in den letzten Jahren gar keine Klasse mehr gebildet werden konnte. Neben dem Lebensmittelhandwerk ist das Bauhandwerk besonders betroffen, darunter vor allem die Schreiner.

    In der Statistik der Bundesagentur für Arbeit gab es zum 27.10.2015 im Landkreis Straubing-Bogen immer noch 85 unbesetzte Lehrstellen, in der Stadt Straubing 56.

    Wie ist die Resonanz auf Veranstaltungen wie diese?

    In der Bildungsregion Straubing-Bogen haben wir dieses Projekt 2016 erstmals durchgeführt. Von 17 bestehenden Mittelschulen haben 16 Schulen auf Anhieb mitgemacht. Sowohl die Schulleitungen als auch die betroffenen Lehrkräfte haben die Veranstaltungen nach Kräften unterstützt. Und die ca. 400 Sechstklässler, die heuer in den Genuss dieser Aktion kamen, werkelten durchwegs mit großer Begeisterung und präsentierten stolz ihre Werkstücke. Ich würde also bei diesem ersten Durchgang von einer sehr guten Resonanz sprechen und könnte mir gut vorstellen, dieses Projekt auch in den nächsten Jahren wieder in bewährter Kooperation mit der Kreishandwerkerschaft Donau-Wald und der Schulverwaltung der Stadt Straubing durchzuführen.

  2. Welchen Handwerksberuf finden Sie persönlich besonders spannend?

    Spannend ist es ja immer, mit den eigenen Händen etwas zu schaffen. Hätte ich mich für ein Handwerk entschieden, dann wohl für die Möbelschreinerei. Zum einen interessiere ich mich schon immer für Wohnraumgestaltung und habe schon einige Möbelstücke selbst entworfen, die dann von einem Schreiner in der Region professionell gefertigt wurden. Zum anderen liebe ich den Geruch von frisch geschnittenem Holz!

Kategorien: Zukunftsbüro, Regionalentwicklungsverein